Was ist therapeutisches Klettern?

Was genau man unter therapeutischem Klettern versteht, welche Ziele befolgt werden und für wen sich die Klettertherapie eignet, erfährst du hier...

Was ist therapeutisches Klettern?

Ob In- oder Outdoor, die Zahl der Kletterfans wächst täglich. Man möchte hoch hinaus, Grenzen überschreiten und neue Abenteuer erleben. Dass Klettern auch eine therapeutische Wirkung haben kann, ist für viele noch unbekannt. Neben der Physio- und Ergotherapie, wird das sogenannte therapeutisches Klettern auch vermehrt im Bereich der psychischen Behandlung eingesetzt.

Therapeutisches Klettern – Ängste überwinden und Vertrauen schaffen 

Neben abenteuerlichen und aufregenden Klettererlebnissen, kann man durch eine therapeutische Klettertherapie, Patienten jeglicher Art von Ängsten und Depressionen befreien, die Fein- und Grobmotorik optimieren und das Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und anderen gegenüber stärken. Therapeutisches Klettern gilt als anspruchsvolles Ganzkörpertraining, das neben Geist und Seele auch die Muskulatur stärkt. 

Für wen eignet sich das therapeutische Klettern?

Therapeutisches Klettern wird sehr vielseitig eingesetzt und eignet sich für eine große Zielgruppe krankheitsbedingt betroffener Menschen von jung bis alt. Vor allem Menschen mit folgenden, häufig auftretenden Krankheitsbildern nutzen nach Empfehlung des Physio-, Ergo- oder Psychotherapeuten, die Möglichkeit ihren Körper zu optimieren und kognitive Fähigkeiten zu erlernen. 

Orthopädische und traumatische Verletzungen: 
Patienten mit orthopädischen und/oder traumatischen Verletzungen sowie auch Patienten mit chronischen Beschwerden können durch therapeutisches Klettern ihren Bewegungsapparat erfolgreich behandeln lassen. Häufig tritt dies nach Operationen der Gelenke oder aber auch bei chronischen Haltungsschwächen wie z.B. Skoliose oder auftretende Instabilität durch das Impingement-Syndrom auf. Der Schwerpunkt des körperlichen Trainings durch das therapeutische Klettern liegt bei orthopädischen und traumatischen Verletzungen auf folgenden Körperbereichen: Schultergelenke, Kniegelenke, Hüftgelenke, Fußgelenke und Wirbelsäule.

Degenerative Erkrankungen: 
Chronisch-degenerative Erkrankungen entstehen durch die Alterung der Körperzellen. Dazu gehören typische Krankheitsbilder wie Arthrose in verschiedenen Körperbereichen (Finger, Hüfte, Knie, Wirbelsäule etc.) sowie Rückenprobleme durch Bandscheibenschäden als auch Patienten mit chronischen Schmerzen.

Neurologische Erkrankungen: 
Häufige Folgen neurologischer Erkrankungen können ebenfalls Bewegungsstörungen sein. Darunter fallen Krankheitsbilder wie: Schlaganfälle, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose etc. Dank regelmäßigen Trainings durch therapeutisches Klettern, können die Betroffenen ihre eigene Körperwahrnehmung als auch die Koordination optimieren. 

Pädiatrie: 
Die sogenannte Pädiatrie, auch als Kinderheilkunde bekannt, bezieht sich auf die Entwicklungslehre kindlicher und jugendlicher Organismen sowie Erkrankungen als auch möglicher Behandlungen und Vorbeugungen. Durch das therapeutische Klettern können Kinder und Jugendliche in verschiedensten Bereichen erfolgreich behandelt werden. Von Verhaltensauffälligkeiten über Essstörungen bis hin zu jungen Patienten, die an Autismus erkrankt sind.  

Geriatrie: 
Neben sehr jungen Menschen, können auch ältere Menschen durch das therapeutische Klettern profitieren. Geriatrie beschreibt die Altersheilkunde, die Lehre der Krankheiten älterer Menschen. Durch das regelmäßige Training können die Betroffenen nicht nur ihre körperliche Konstitution durch die Optimierung des Muskelaufbaus und die Behebung von Gleichgewichtsstörungen, sondern auch das Gedächtnis trainieren. 

Körperliche als auch geistige Behinderungen: 

Auch Menschen mit einer körperlichen, geistigen oder auch Menschen, die an einer Behinderung ihrer Sinnesorgane leiden, können durch therapeutisches Klettern behandelt werden. Dabei wird die Koordination, Kondition sowie mentale Fertig- und Fähigkeiten trainiert und optimiert.

Psychische Erkrankungen: 
Häufig wird das therapeutische Klettern als Teil der Psychotherapie mit eingebunden, sodass Patienten mit Depressionen, Suchterkrankungen, psychosomatische Störungen etc. durch den Sport und dem dazugehörigen Vertrauen geholfen werden kann.

Welches Ziel befolgt therapeutisches Klettern?

Das therapeutische Klettern befolgt viele verschiedene Ziele, die je nach Krankheitsbild auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden sollte. Grundsätzlich lernt und überwindet ein Patient durch das therapeutische Klettern, folgende Punkte: 

- Angst und Mut spüren
- Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schenken und selbst empfinden
- Beziehung und Soziales stärken
- Vertrauen lernen
- Freude ausstrahlen
- Stolz erarbeiten
- Grenzen einschätzen und überschreiten
- Selbstwirksamkeit entwickeln

Neben psychischen Aspekten lernen die Patienten auch physisch stabiler zu werden. So werden durch das regelmäßige Training an der Kletterwand Gelenke stabilisiert, Muskeln aufgebaut, Kraft, Ausdauer und Koordination optimiert als auch ein Gefühl der Sensibilität und ein Gespür der Motorik vermittelt, sodass sich die Patienten nach der Klettertherapie selbstständig Belastungen und Ängsten im Alltag stellen können. 

Welche Erlebnisqualitäten kann therapeutisches Klettern mit sich bringen?

Therapeutisches Klettern kann viele Erlebnisqualitäten mit sich bringen. Man unterteilt die Erfolge der Klettertherapie in drei Kategorien: die kognitive Ebene, die motorische Ebene und die emotionale Ebene. Jeder Patient erzielt unterschiedliche Erfolge.

Erfolge auf der kognitiven Ebene: 
Die erfolgreiche Klettertherapie ermöglicht dem Patienten neben der Optimierung der Konzentration und Achtsamkeit, ebenfalls jeden Schritt strategisch zu planen und aus Misserfolgen und Erfolgen zu lernen.

Erfolge auf der motorischen Ebene: 
Durch das therapeutische Klettern erweitert der Patient seine Raumdimension und die motorische Kontrolle über den eigenen Körper. Dabei werden die Koordination, das Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer als auch die sensomotorische Wahrnehmung geschult.

Erfolge auf der emotionalen Ebene: 
Neben der kognitiven und motorischen Ebene, wird auch die emotionale Ebene des Patienten gefördert. Regelmäßige Konfrontationen mit Ängsten, Mut, Freude, (Miss-)Erfolge, Sicherheits- und Risikofaktoren lehren den Patienten seine Eindrücke und Emotionen zu spüren und zu kontrollieren.

Auch spannend:

Wie können wir dich unterstützen?