Notfall-Apotheke - Was gehört in das Erste-Hilfe-Set?

Verletzungen passieren auch beim Wandern. Umso wichtiger ist es, eine gut gefüllte Wanderapotheke für den Notfall dabeizuhaben. Doch was gehört alles hinein?

Notfall-Apotheke - Was gehört in das Erste-Hilfe-Set?

Die Notfallapotheke beim Wandern: Was gehört in das Erste-Hilfe-Set? 

Zwar ist das Verletzungsrisiko beim Wandern im Vergleich zu anderen Outdoorsportarten wie dem Klettern oder Skifahren relativ gering - zumindest dann, wenn du stets auf den offiziellen Wegen bleibst -, jedoch sind auch hier kleinere Unfälle und Verletzungen nicht ausgeschlossen: Ob Mückenstiche, umgeknickte Füße oder lästige Blasen – vor allem in abgelegenen, einsamen Wandergebieten ist es Gold wert, wenn du für alle Fälle die passende Erste-Hilfe-Ausrüstung parat hast. In diesem Artikel erfährst du, was alles in eine solche Wanderapotheke gehört und welche Utensilien und Medikamente du immer mit dabeihaben solltest, sobald du in der freien Natur unterwegs bist. 

Klein, praktisch, nützlich: Die Wanderapotheke 

Um Arzneimittel und Erste-Hilfe-Zubehör im Notfall schnell zur Hand zu haben, sollest du deine „Wanderapotheke“ stets so aufbewahren, dass alle Gegenstände jederzeit griffbereit sind, beispielsweise in einem separaten Seitenfach deines Rucksacks. Damit du keine wertvolle Zeit mit dem Suchen von Schere, Verbandszeug und Co. verbringen muss, ist eine übersichtliche Ordnung auch im Inneren der Tasche Pflicht. Deine Erste-Hilfe-Tasche sollte daher ausreichend Platz bieten, um alle Utensilien ordnungsgemäß zu verstauen. Eine Alternative bilden Komplettsets, die in der Regel bereits in einer praktischen Aufbewahrungstasche oder -Box daherkommen. Für Touren bei starken Regen oder wenn du neben klassischen Wanderungen gerne auch mal Schluchten durchquerst oder auf dem Wasser unterwegs bist, empfiehlt sich die Anschaffung einer wasserundurchlässigen Tasche. 

Erste Hilfe beim Wandern: Wichtige Bestandteile einer Rucksackapotheke 

Neben Zubehör und Hilfsmitteln für die Versorgung von Wunden und stumpfen Verletzungen, Mitteln gegen Blasen und Insektenstiche sowie diversen Medikamenten sollte deine Rucksackapotheke für Notfälle ebenfalls alle wichtigen Telefonnummern, eine Trillerpfeife und eine Rettungsdecke beinhalten. Ansonsten unterscheidet sich der Inhalt einer gut sortierten Wanderapotheke nicht wesentlich von dem eines gängigen Erste-Hilfe-Sets für zuhause oder den Urlaub.

1. Wunden richtig versorgen

Ein in den Weg ragender Ast, ein falscher Tritt… und schon ist es passiert: Leichte Sturzverletzungen und Schürfwunden sind insbesondere bei schwierigeren Wanderungen im unwegsamen Gelände keine Seltenheit. Für eine schnelle und fachgerechte Wundversorgung solltest du folgende Gegenstände deshalb immer mit dabeihaben:

- Pflaster (in unterschiedlichen Größen und Ausführungen)
- Verbandpäckchen (mit nichthaftenden Kompressen)
- Elastische Mullbinde(n)
- Wundkompressen
- Wundschnellverband
- Desinfektionsmittel
- Alkohol- bzw. Desinfektionstupfer
- Dreieckstuch aus Viskose
- Leukoplast (medizinisches Klebeband)
- Verbandsschere
- Klammerpflaster
- Pinzette
- Sterile Einmalhandschuhe
- Wund- und Heilsalbe.

In einem ersten Schritt solltest du sichtbare Verschmutzungen vorsichtig mit der Pinzette entfernen und anschließend mit Desinfektionsmittel und einem sterilen Alkoholtupfer reinigen. 

Ein Pflaster oder Wundschnellverband schützt die Wunde zuverlässig vor weiteren Verunreinigungen. Blutet die Wunde besonders stark, kannst zuerst eine Kompresse verwenden und damit die Blutung stoppen, bevor du die Stelle desinfizierst und mit einer Mullbinde verbindest.

2. Stumpfe Verletzungen: Was tun bei Stauchungen, Prellungen & Co.?

Ein umgeknickter Fuß, eine Prellung, Stauchung, oder Zerrung. Stumpfe Verletzungen sind zwar nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, jedoch äußerst schmerzhaft. Um die Beschwerden zu lindern und der Entstehung von Schwellungen und Blutergüssen vorzubeugen, sollte die betroffene Stelle schnellstmöglich gekühlt werden. Bewährt haben sich hier Kälte-Sofortkompressen. Spezielle Schmerzgels können den Heiligungsprozess beschleunigen und haben ebenfalls eine angenehm kühlende Wirkung. Manche Wanderer schwören aber auch auf pflanzliche Mittel wie z.B. Arnikasalbe. Bei Bedarf kann auch die Einnahme eines leichten Schmerzmittels sinnvoll sein.

3. Gib Blasen keine Chance

Blasen sind lästig und unangenehm und oft sogar so schmerzhaft, dass ein unbeschwertes Weiterwandern häufig kaum noch möglich ist. Spezielle Blasenpflaster mit Gelschicht (z.B. Compeed-Blasenpflaster) versprechen hier Abhilfe: Sie reduzieren die Reibung der Schuhe auf ein Minimum und wirken so der weiteren Blasenbildung effektiv entgegen. Größere Blasenpflaster sind wiederum ideal zum Abdecken bereits vorhandener Blasen. Um der Entstehung von Blasen bereits im Vorfeld entgegenzuwirken, solltest du neue Wanderschuhe immer erst im Alltag einlaufen. Hochwertige, funktionale Wandersocken verringern nicht nur die Reibung, sondern verhindern auch eine übermäßige Schweißproduktion und helfen somit ebenfalls, Blasen vorzubeugen.

4. Insektenstiche und Zecken

Auch Insektenstiche und Zeckenbisse können dir deinen Wanderausflug gehörig vermiesen. Juckreizlindernde Antihistaminika können in Form von Salben, Gels oder Sticks auf den Stich aufgetragen werden. Darüber hinaus kannst du auch hier eine Kühlkompresse verwenden oder den Stich in einem nahegelegenen Bach kühlen. Das Gleiche gilt auch bei Sonnenbrand oder dem ungewollten Kontakt mit Brennnesseln oder Ameisen. Reagierst du allergisch auf Biene- oder Wespenstiche, gehört selbstverständlich auch ein ärztlich verordnetes Anaphylaxie-Notfallset zu deiner Grundausstattung auf Wanderungen und bei anderen Outdoor-Aktivitäten. Zecken kannst du auch unterwegs mithilfe einer Zeckenzange oder Zeckenkarte entfernen. Denke jedoch daran, die Stelle im Nachhinein gut zu desinfizieren und vergewissere dich, dass die Zecke wirklich vollständig entfernt wurde.

Von A wie Allergie bis Z wie Zucker: Medikamente in der Wanderapotheke 

Gerade auf längeren Wanderungen oder bei mehrtägigen Trekking-Touren ist ein Grundstock an Medikamenten gegen die gängigsten Beschwerden essentiell. Hierunter fallen 

- Schmerzmittel in Tablettenform (wie z.B. Paracetamol oder Ibuprofen)
- Mittel gegen Übelkeit und Durchfall
- Eine Wund- und Heilsalbe (wie z.B. Bepanthen)
- Eine Verletzungssalbe für Prellungen, Stauchungen etc. (z.B. Diclofenac)
- Salbe/Gel oder Stick gegen Insektenstiche
- Optional: Pflanzliche Arzneimittel und Hausmittel wie beispielsweise Globuli, Arnikasalbe oder Tigerbalsam.
- Antihistaminika (bei Allergien)
- Anaphylaxie-Notfall-Set, bestehend aus einer Adrenalin-Fertigspritze, einem Antihistaminikum und Kortison (sofern die allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche reagierst).
- Ggf. weitere persönliche Medikamente (wie z.B. Diabetes- oder Migränemedikamente)

Als Diabetiker empfiehlt es sich außerdem, immer etwas Traubenzucker einzustecken. So kannst du einer plötzlichen Unterzuckerung schnell entgegenwirken. Leidest du häufig an Muskelkrämpfen solltest du auch deine Magnesiumversorgung stets im Blick behalten. Abgesehen von den synthetisch hergestellten Magnesiumtabletten kannst du alternativ auch auf magnesiumhaltige Lebensmittel zurückgreifen: Cashewkerne, Erdnüsse oder auch Zartbitterschokolade sind nicht nur exzellente Magnesiumlieferanten, sondern eignen sich ebenso hervorragend als Snack für zwischendurch. 

The worst case: Was tun im Ernstfall? 

Es ist der Alptraum eines jeden Wanderers: Du oder deine Wanderbegleitung seid so schwer verletzt, dass die Tour nicht mehr fortgesetzt werden kann oder ihr sogar auf fremde Hilfe angewiesen seid. Umso besser ist es, wenn du auch für den Ernstfall vorgesorgt hast und weißt, was in solchen Situationen zu tun ist:

1. Befindet ihr euch in einem Gefahrenbereich (Lawinen, Steinschläge, Sturzgefahr, etc.) solltet ihr diesen so schnell wie möglich verlassen.
2. Versuche, soweit wie möglich, erste Hilfe zu leisten
3. Packe die verletzte Person in eine Rettungsdecke, um sie vor Hitze, Kälte und Witterungseinflüssen zu schützen.
4. Verständige den Rettungsdienst (ein funktionierendes Mobiltelefon inklusive sämtlicher Notfallnummern solltest du zu diesem Zweck immer mit dir führen).

Auch eine Trillerpfeife kann dir, insbesondere auf Solo-Wanderungen, große Dienste erweisen. Sie ermöglicht es dir, auch über größere Entfernungen auf dich aufmerksam zu machen, beispielsweise mithilfe des „Alpinen Notsignal“. Hierbei handelt es sich um eine bestimmte Abfolge von Pfiffen, Lichtzeichen oder Rufen:

1. Notfallsignal: 6x alle zehn Sekunden ein Signal, Pause von einer Minute, Wiederholung
2. Antwort: 3x alle zwanzig Sekunden ein Signal, Pause, Wiederholung.

Damit es gar nicht erst so weit kommen kann, solltest du dich auf jede Wanderung dementsprechend vorbereiten und dabei sowohl deine Kondition und Erfahrung als auch die Beschaffenheit des Geländes und die vorherrschenden Witterungsbedingungen berücksichtigen.

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