temperamentvolles Pferd zähmen

So zähmst du ein temperamentvolles Pferd

Ein temperamentvolles Pferd kann echt herausfordernd sein, aber auch eine spannende Chance, über dich selbst hinauszuwachsen.

Pferdecharaktere: Von cool bis feurig

Bei Pferden ist es genau wie bei uns Menschen: Jedes hat seinen eigenen Charakter. Während der eine Wallach vollkommen tiefenentspannt über die Wiese schaukelt, steht die Stute nebenan mit gespitzten Ohren ständig auf Habacht. Temperament, Nervenstärke, Sensibilität und Lernverhalten unterscheiden sich von Pferd zu Pferd massiv.

Es gibt Pferde, die von Natur aus ruhig und gelassen sind. Andere dagegen wirken wie ein lebendiger Stromschlag. Sie reagieren schneller, denken schneller – und manchmal handeln sie auch schneller. Wer ein solches temperamentvolles Pferd reiten möchte, braucht primär eins: Geduld, Timing und ein gutes Gespür.

Was heißt eigentlich "temperamentvoll" beim Pferd?

Wenn von einem temperamentvollen Pferd die Rede ist, geht es oft um Tiere, die besonders lebhaft, reaktionsschnell und sensibel sind. Sie haben viel Energie, sind aufmerksam und wirken manchmal fast „übermotiviert“. Das kann sich in Unruhe, Schreckhaftigkeit oder Ungeduld äußern, aber auch in einer enormen Leistungsbereitschaft und einem starken „Go“.

Ein temperamentvolles Pferd will oft viel mehr als der Reiter gerade anbietet. Es braucht klare Grenzen, sichere Führung und kluge Reize, um seine Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Was dabei hilft? Kein hektisches Dagegenhalten, sondern Ruhe, Konsequenz und clevere Arbeit.

temperamentvolles pferd reiten

Wie wird mein Pferd beim Reiten ruhiger?

Das Ziel ist nicht, das Temperament „abzustellen“, sondern damit umzugehen. Wenn du ein temperamentvolles Pferd reiten möchtest, brauchst du eine ruhige Ausstrahlung und einen klaren Plan.

Hier ein paar Tipps für mehr Entspannung im Sattel:

  1. Atme bewusst ruhig und tief. Dein Atem beeinflusst den Puls deines Pferdes.
  2. Vermeide hektische Hilfen. Leise, klare Signale wirken besser als ständiges Treiben oder Zerren.
  3. Lass es laufen, aber strukturiert. Pferde mit viel Energie möchten sich bewegen. Gib ihnen Raum, aber nutze Übergänge, Zirkel und gebogene Linien für Fokus.
  4. Regelmäßiges Longieren vor dem Reiten hilft, überschüssige Energie abzubauen.
  5. Rituale schaffen Sicherheit. Ein wiederkehrender Ablauf vor dem Reiten (z. B. Führen, Dehnen, kleine Übungen am Boden) kann beruhigend wirken.
Das Wichtigste: Vermeide negative Spannung. Bist du selbst nervös, überträgt sich das sofort aufs Pferd. Statt Stress zu bekämpfen, sei lieber ein ruhiger Hafen.

Wie bekomme ich die Aufmerksamkeit meines Pferdes?

Ein aufmerksames Pferd ist nicht unbedingt ein ruhiges. Ein unaufmerksames Pferd ist hingegen fast immer unkontrollierbar. Gerade bei einem temperamentvollen Pferd ist es wichtig, dass es bei dir bleibt, geistig wie körperlich.

Mit diesen Maßnahmen ziehst du den Fokus wieder auf dich:

  • Kurze, gezielte Aufgaben: Viele kleine Wechsel (z. B. Schritt–Halt–Schritt, Schulterherein, Übergänge) holen das Pferd ins Hier und Jetzt.
  • Stimme einsetzen: Eine ruhige Stimme wirkt wie ein Anker. Sanftes Loben oder kurze Kommandos wie „Schritt“ oder „Achtung“ schaffen Verbindung.
  • Spiegel dich selbst: Wenn dein Pferd nervös ist, frag dich: „Bin ich präsent?“ Oder hängst du gerade mit den Gedanken woanders?
  • Bodenarbeit: Besonders bei hektischen Pferden hilft es, außerhalb des Sattels an Aufmerksamkeit zu arbeiten. Kleine Führübungen oder Zirkuslektionen können Wunder wirken.
Das Ziel ist immer: Verbindung statt Kontrolle. Je mehr du die Gedanken deines Pferdes lenkst, desto weniger driftet es in Stressreaktionen ab.

Temperamentvolles Pferd

5 Übungen für einen gelassenen Umgang mit einem temperamentvollen Pferd

Du brauchst Ideen, wie du dein Powerpaket gezielt beschäftigen kannst? Hier kommen fünf bewährte Übungen:

  1. Führen auf engem Raum
    Stell dir einen kleinen Parcours aus Pylonen oder Stangen. Führe dein Pferd ruhig und präzise hindurch. Achte auf langsames Tempo, gleichmäßiges Atmen und ständigen Blickkontakt. Ziel: Fokus und Körperkontrolle.
  2. Desensibilisierung mit Planen oder Tüten
    Konfrontiere dein Pferd spielerisch mit unbekannten Reizen, etwa raschelnde Planen oder flatternde Bänder. Zeig ihm, dass es keine Gefahr gibt. Wichtig: Nie zwingen, sondern neugierig machen.
  3. Schritt–Halt–Rückwärts
    Diese einfache Übung schult Gehorsam und Aufmerksamkeit. Mach sie mit feinen Hilfen, bleib konsequent und lobe jeden Fortschritt. So lernt dein Pferd: Stillstehen kann auch belohnt werden.
  4. Langsames Reiten auf gebogenen Linien
    Reite Volten, Achter und Schlangenlinien im Schritt. Konzentriere dich auf einen gleichmäßigen Takt. Diese Übungen erfordern Konzentration und fördern gleichzeitig innere Losgelassenheit.
  5. Zirkuslektionen wie Kompliment oder Podestarbeit
    Spielerische Aufgaben wie das Stehen auf einem Podest stärken das Vertrauen und helfen dem Pferd, selbstsicherer und ruhiger zu werden.
Wichtig: Kein Drill! Bei einem temperamentvollen Pferd zählt Qualität vor Quantität. Wenige Minuten mit echter Aufmerksamkeit sind oft effektiver als eine Stunde Rumreiten.

Ein temperamentvolles Pferd braucht keine Strafe, sondern Verständnis. Mit Ruhe, Geduld und klugem Training wird aus überschäumender Energie ein verlässlicher, lebendiger Partner.

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