Ein Blick in die Vergangenheit: Zu Beginn der 1970er Jahre gab es Fahrräder nur in Form unserer heutigen Stadträder. Einige Fahrradfans in den USA verließen jedoch die Straßen und fuhren mit ihren Drahteseln durch die Berge. Dabei stellten sie schnell fest, dass ihre Fahrräder nicht robust genug waren, und passten sie an ihre neue Freizeitbeschäftigung an.

Da es damals Fahrradreifen für Erwachsene nur in schmalen Ausführungen gab, bedienten sie sich der breiteren Reifen für Kinderräder. Diese Reifen waren 26 Zoll groß.

Die Standardgröße für Mountainbikes war geboren! Diese Größe wurde lange Zeit beibehalten, auch wenn einige Hersteller auf die Vorteile größerer Räder im Gelände aufmerksam machten. Dennoch waren die technischen Möglichkeiten noch nicht so weit entwickelt, um ausreichend robuste Räder herzustellen.

Mittlerweile konnten jedoch umfangreiche Fortschritte bei Technik und Material erzielt werden, sodass große Räder wieder stark in den Vordergrund rücken. Zum ersten Mal kamen bereits 2004 bei offiziellen UCI-Wettkämpfen größere Räder zum Einsatz. Seitdem haben alle Mountainbike-Hersteller ihre Entwicklungen intensiviert, wodurch heute ein breit gefächertes Angebot an 29er-Mountainbikes auf dem Markt erhältlich ist.

Die Radgröße von 29 Zoll bei Mountainbikes lässt sich mit der Größe 700 bei Rennrädern vergleichen. Allerdings sind die 29er-Reifen deutlich breiter als Straßenreifen, wodurch sich beide Reifentypen dennoch voneinander unterscheiden.

26 ODER 29 ZOLL: WORIN BESTEHT DER UNTERSCHIED?

Die Entscheidung zwischen beiden Radgrößen hängt vor allem vom Einsatzgebiet ab. Beim Radwandern bestehen andere Anforderungen als beim Downhill. Dennoch lassen sich beide Typen vergleichen. Im Folgenden beziehen wir uns auf zwei Fahrräder der gleichen Produktreihe mit ähnlicher Ausstattung.

29 ZOLL:

– Komfort: Aufgrund der großen Räder werden Stöße besser abgefedert. Somit wirst du zum Beispiel auf einer Strecke mit vielen Baumwurzeln weniger durchgeschüttelt. Auch dein Rücken wird bei einem 29-Zoll-Rad weniger stark beansprucht.

– Stabilität: Da das Fahrrad komfortabler ist, kannst du dich besser auf das Lenken konzentrieren. Durch den höheren Schwerpunkt nimmst du das Gelände besser wahr. Außerdem verzeiht dir ein 29er auch größere Lenkfehler.

– Überwindung von Hindernissen: Da der Anstellwinkel der Räder kleiner und der Schwerpunkt höher ist, kommst du mit einem Twentyniner leichter über Hindernisse.

– Bewegungsfähigkeit und Haftung: Die Lauffläche des Reifens auf dem Boden ist größer. Somit verbessert sich auch die Haftung. Beim Bergauffahren gibt es riesige Unterschiede, insbesondere bei instabilem Untergrund. Mit einem 29er kommst du auch dort noch weiter, wo du sonst absteigen müsstest!

– Leistung: Sobald du ordentlich Fahrt aufgenommen hast, ist ein 29er unschlagbar. Die Trägheit der Räder zieht das Mountainbike mit sich und sorgt dafür, dass du die Geschwindigkeit leichter aufrechterhalten kannst.

Mountainbike mit 26 oder 29 Zoll?

26 ZOLL:

– Gewicht: Obwohl die Ausstattung beider Fahrräder gleich ist, sind natürlich kleine Räder leichter als große. Somit ist auch ein 26-Zoll-Mountainbike leichter als ein 29er.

– Steifigkeit und Reaktionsfreudigkeit: Das 26 Zoll große Rad ist steifer und hat kürzere Speichen, sodass es sich weniger verformt. Somit ist das Mountainbike auch reaktionsfreudiger, wodurch du zum Beispiel schneller aus der Kurve kommst.

– Präzision: Dank der Reaktionsfreudigkeit des Fahrrads ist auch die Lenkung präziser. Ein 26-Zoll-Rad verzeiht also auch weniger Lenkfehler. Wenn du jedoch ein fortgeschrittener Fahrer bist, kommst du damit fast überall hin! Folglich sind 26er-Mountainbikes manövrierfähiger.

– Fahrspaß: Ein 26-Zoll-Mountainbike lässt sich spielerischer fahren. Seine Leichtigkeit und der niedrigere Schwerpunkt machen es einfacher, das Vorderrad anzuheben und zu springen. Technisch fortgeschrittenen Fahrern wird die erhöhte Präzision zweifellos gefallen.

Mountainbike mit 26 oder 29 Zoll?

WELCHES EINSATZGEBIET FÜR WELCHES FAHRRAD?

Ein 29er-Mountainbike ist nicht einfach nur ein 26er mit größeren Rädern. Auch der Rahmen ist anders konzipiert und entwickelt, da er andere Anforderungen erfüllen muss und somit eine eigene Geometrie benötigt.

Ein 29-Zoll-Rad eignet sich ideal für die meisten Mountainbiker, die sich ein komfortables Fahrrad zum Radwandern oder Ausfahrten am Wochenende oder im Urlaub wünschen. In den meisten Situationen auf der Strecke werden sich die größeren Räder angenehmer fahren lassen als die eines 26er-Mountainbikes.

Doch auch für alle, die vom Cross Country bis zum All Mountain nach Spitzenleistungen streben, bietet das 29er große Vorteile. Allerdings solltest du beim Kauf eines 29er-Mountainbikes darauf achten, dich für ein besonders leichtes und hochwertiges Modell zu entscheiden. Dann wirst du ein Fahrrad erhalten, dass kaum schwerer ist als dein aktuelles 26er und auch über eine vergleichbare Steifigkeit verfügt. Darüber hinaus solltest du dir darüber im Klaren sein, dass das Fahrgestell einschließlich der Räder bei einem 29er größer und schwerer ist als bei einem 26er. Somit wirken sich Qualitätsunterschiede stärker auf das Fahrverhalten aus.

Mountainbike mit 26 oder 29 Zoll?

Du wirst eine gewisse Zeit benötigen, um dich an ein 29er zu gewöhnen, denn die Fahrweise ist etwas anders als beim 26er. Ersatzteile für 29-Zoll-Räder sind mittlerweile jedoch zahlreich und leicht erhältlich. Zudem solltest du dich eher für ein etwas höheres Modell entscheiden, auch wenn du dann eventuell den Lenkervorbau etwas verlängern musst. Dadurch gewinnst du an Gewicht und Steifigkeit.

Bei Fahrrädern mit großem Federweg wie beim Enduro oder Downhill, wird der Umstieg auf ein 29er angesichts der gegenwärtig verfügbaren Technik jedoch schwieriger. Auch wenn bereits Enduro-Mountainbikes mit 29-Zoll-Rädern erhältlich sind, bleibt die Auswahl aktuell noch gering. Allerdings arbeiten die Hersteller auch in diesem Bereich an neuen Modellen, sodass sich die Situation in naher Zukunft verbessern dürfte.

Mountainbikes mit großen Rädern werden für sehr viele Radfahrer von Vorteil sein. Die meisten Mountainbiker, die den Umstieg bereits gewagt haben, sind nach einer Eingewöhnungsphase durchaus zufrieden. Die hartnäckigsten Kritiker der 29er-Räder haben sie meistens nicht langfristig ausprobiert. Am schwierigsten werden sich Cross-Country-Puristen überzeugen lassen, die hauptsächlich auf Leistung abzielen und für die der Fahrkomfort zweitrangig ist. Sofern du also nicht wirklich störrischer Natur bist, wirst du für alle anderen Einsatzbereiche von 29er-Mountainbikes begeistert sein.

Welche Radgröße bevorzugst du? Wir sind gespannt auf deine Meinung und Erfahrungen, die du uns gerne mitteilen kannst!

Mountainbike mit 26 oder 29 Zoll?