Man möchte meinen, ein Pferd habe eine relativ dicke Haut. Dies ist jedoch nicht der Fall. In der Tat ist die Haut eines Pferdes empfindlicher als die eines Menschen.

WARUM DIESE ANGST?

Die Haut des Pferdes ist zwar dicker (weniger als einen Millimeter), seine Epidermis ist jedoch dünner, was bedeutet, dass es beim Pferd weniger Zellen zwischen Gefühl und Nervenenden gibt. Somit ist sein Empfinden höher als das des Menschen.

Alleine aufgrund dieser Tatsache ist es verständlich, dass viele Pferde Spray als überaus unangenehm empfinden. Dazu kommt ein ungewohntes Geräusch und ein unbekannter Geruch, und beide erinnern sie an nichts, das sie aus der Natur kennen.

Das Pferd versteht nicht, warum es „bestraft“ wird, während uns unsere Absicht klar ist. Wenn der Mensch sich dann noch misstrauisch, ängstlich oder skeptisch gegenüber der Reaktion des Pferdes zeigt, fällt es ihm sehr schwer, sich zu entspannen und dir zu vertrauen.

Deshalb muss man das Pferd sorgfältig an Spray gewöhnen!

Hinweis: Ich benutze lieber den Begriff „gewöhnen“ anstatt „desensibilisieren“, denn das Pferd soll ja sensibel gegenüber dem bleiben, was man von ihm verlangt.

„Desensibilisieren“ bedeutet, das Pferd unempfindlich zu machen. Ein Pferd, das beispielsweise auf die Reitgerte desensibilisiert wurde, hat keine Angst mehr davor und fürchtet deren Auswirkungen nicht mehr.

„Gewöhnen“ oder „vertraut machen“ ist eine Form des Lernens und Akzeptierens. Hierbei tritt eine Reaktion nach wiederholter oder längerer Konfrontation mit einem Stimulus, der die jeweilige Reaktion hervorruft, allmählich weniger heftig oder weniger häufig auf. Das Pferd reagiert also nach wie vor sensibel auf die Reitgerte, toleriert jedoch deren Vorhandensein.

 

Nicolas Blondeau, ein berühmter französischer Verhaltensforscher, bei dem ich Seminare absolviert habe, weigert sich, den Begriff „Desensibilisierung“ zu verwenden (wirklich!). Wir alle möchten, dass unser Pferd stets sensibel auf natürliche oder künstliche Hilfen reagiert.

WIE KANN MAN DIESE ANGST ÜBERWINDEN?

„Ruhig, vorwärts und gerade“  -General L'Hotte

Dieses Zitat sollte nicht nur beim Reiten gelten, sondern auch im Umgang mit dem Pferd am Boden. Wie zuvor erläutert, werden wir unserem Pferd eine Pflege auferlegen... ja, „auferlegen“. Und dabei dürfen wir es keinesfalls zwingen, sondern müssen ihm zeigen und erklären, worum es geht und darauf achten, dass es es versteht und schließlich akzeptiert.

Wenn diese Schritte nicht beachtet werden, fangen die „Scherereien“ beim Aufsprühen von Spray jedes Mal von Neuem an.

ALS ERSTES EMFPEHLE ICH, DAS PFERD NICHT ANZUBINDEN. AKZEPTANZ BEKOMMT MAN NICHT UNTER ZWANG!

Besorg dir vielmehr einen langen Strick oder eine Longe, damit das Pferd sich anfangs entfernen kann, wenn es das möchte.

Geh mit deinem Pferd an einen ruhigen, begrenzten Ort wie zum Beispiel in eine große Box oder einen Longierzirkel. Das ist wichtig, denn dein Pferd hat schon genug damit zu tun, sich auf alles zu konzentrieren.

Wenn dein Pferd von dir wegdrängt, lass es zu und geh anschließend wieder zu ihm hin, während du beruhigend auf es einredest.

Diese Übung stellt deine Geduld und sein Vertrauen vor eine harte Prüfung.

 

- ZEIG IHM DEN „GEFÄHRLICHEN GEGENSTAND“: DIE SPRÜHFLASCHE. 

- LASS ES DARAN RIECHEN (WENN DEIN PFERD SEHR ZÖGERLICH IST, KANNST DU DIE SPRÜHFLASCHE ANFANGS MIT WASSER FÜLLEN).

- ENTFERNE DICH UND BEGINNE VON NEUEM.

- STREICHLE DAS PFERD UND REDE BERUHIGEND AUF ES EIN. WENN DEIN PFERD IN DIESER PHASE ZEICHEN VON ANGST ZEIGT, GEHE KEINEN SCHRITT WEITER. WIEDERHOL DEN VORGANG, BIS ES DEN GEGENSTAND ALS HARMLOS BETRACHTET.

- SPRÜH EINMAL MIT ETWAS ABSTAND ZUM PFERD IN RICHTUNG BODEN, DAMIT ES DEN VORGANG BEOBACHTEN KANN. BERÜHR DAS PFERD DABEI NICHT. ZUERST LANGSAM, DANN IMMER NACHDRÜCKLICHER. MANCHMAL MUSS DEM PFERD DER GEGENSTAND NOCH EINMAL GEZEIGT WERDEN UND ES DARAN RIECHEN LASSEN.

- REIBE DEN GEGENSTAND AN DEINEM PFERD UND REDE DABEI BERUHIGEND AUF ES EIN.

- SPRÜH ETWAS VON DEM PRODUKT AUF DEINE HAND UND VERREIBE ES AUF DEM PFERDEHALS. STEH NICHT DIREKT VOR DEM PFERD, UM IHM KEINE ANGST ZU MACHEN (DAS PFERD HAT ANGST, DA ES IN DIESER POSITION NICHT SO LEICHT FLÜCHTEN KANN; WIR GEBEN IHM JEDOCH DIE MÖGLICHKEIT ZUR FLUCHT, WENN IHM DAS, WAS WIR VON IHM VERLANGEN, ALLZU UNERTRÄGLICH WIRD).

- WENN ALLES GUT KLAPPT, KANNST DU VERSUCHEN, DAS SPRAY DIREKT AUF DIE HAUT DES PFERDES AUFZUSPRÜHEN.

 

Bei jungen Pferden und Pferden, die bereits von Spray traumatisiert sind, kann diese Technik mehrere Tage dauern. Die Zeit, die du damit verbringst, dein Pferd an Spray zu gewöhnen, zahlt sich jedoch später aus, denn du kannst sicher sein, dass es die Sache wirklich verstanden hat.

Sollte dein Pferd jedoch nach wie vor Angst vor Spray haben, trag das Produkt einfach auf einen Lappen auf!

Gib etwas von dem Produkt auf den Lappen, nachdem du ihn dem Pferd gezeigt hast.

(„Sieh mal, Amor, ein Lappen!“ „Hier kommt der Lappen, Amor.“). Reibe dein Pferd anschließend mit dem Lappen ab.

Ich benutze Spray für leicht erreichbare, weniger empfindliche Körperteile wie den Hals, die Kruppe und die Sattellage. Für alle anderen Körperteile verwende ich auch bei Pferden, die an Spray gewöhnt sind, einen Lappen. Zum einen, damit das Produkt nicht in die Augen, Nüstern oder in Wunden gerät, zum anderen aus Rücksicht auf die empfindlichen Körperteile meiner Pferde (Bauch, Flanken, Innenseite der Vorderbeine...) und weil sie ohnehin schon eine Menge akzeptieren (Arbeit, andere Arten der Pflege).

Reiterin

MADELEINE T.

Verkäuferin bei DECATHLON in Bretigny sur Orge, Frankreich, und Profireiterin

„Je natürlicher die Inhaltsstoffe der Produkte (Zitronengras, ätherische Öle), desto leichter akzeptiert sie das Pferd und desto besser sind sie für die Haut! “

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