WIR HABEN BEREITS GESEHEN, WIE MAN MIT ANSTIEGEN UND BERGEN UMGEHT. HAT MAN JEDOCH DEN GIPFEL EINMAL ERREICHT, KOMMT DER MOMENT, IN DEM MAN DEN BERG WIEDER RUNTERFAHREN MUSS.

Und es wäre schade, den Berg gut hinaufgekommen zu sein nur um dann beim runterfahren Zeit zu verlieren. Bei mir ist häufig das Gegenteil der Fall. Ich bin ein schlechter Kletterer, überhole dann aber bei der Abfahrt alle anderen. Ich gehe dabei keine zu großen Risiken ein, sondern entscheide mich für die besten Wege und eine gute Technik.

Zwei Qualitäten benötigt ein guter Abwärts-Fahrradfahrer auf jeden Fall: Geschick und Selbstvertrauen.

Hier also meine Ratschläge, um gut einen Hang runterzufahren ohne ein zu großes Risiko einzugehen.

WEITERHIN TRETEN

Wenn es sich nicht um den letzten Abhang vor der Ankunft handelt (sehr seltene Sache), dann musst du auf jeden Fall von der Abfahrt profitieren um dich zu erholen und die kommenden Schwierigkeiten einfacher zu meistern.

Aber der größte Fehler wäre, das Fahrrad einfach nur laufen zu lassen. In diesem Fall würden die Muskeln sehr schnell erkalten und du hättest schwere Beine, die dann im nächsten Tal oder beim nächsten Hügel wieder ins Laufen gebracht werden müssten.

Um dies zu vermeiden, musst du auch bei der Abfahrt weiterhin in die Pedale treten. So bleiben die Muskeln in Bewegung und die Toxine, die sich beim Aufstieg gebildet haben, können schneller abgebaut werden. Man sollte mit etwa 90tr/mn unterwegs sein, was das Herz und die Muskeln genug fördern dürfte. Nicht in einen zu hohen Gang schalten.

WELCHE SITZPOSITION?

Die sicherste Position ist auch die aerodynamischste. Du solltest richtig auf dem Sattel sitzen, die Hände sollten auf dem Lenker liegen mit den Händen auf der Bremse.

Und vor allem die Hände nicht auf den Bremsgriff legen! Bei hoher Geschwindigkeit kann schon ein kleiner Buckel dafür sorgen, dass du den Griff verlierst, wenn deine Hände den Lenker nicht fest umschließen. Außerdem hast du in dieser Handstellung nicht genügend Kraft zum Bremsen.

Umschließe mit den Händen die Griffe, so hast du viel mehr Sicherheit. Lass bei jedem Hügel deine Hände immer fest am Lenker denn solltest du plötzlich bremsen müssen, hast du so am meisten Kraft.

Außerdem sorgt das Bremsen dafür, dass sich dein ganzer Körper nach vorne neigt.  Wenn du stark geschwitzt hast, dann kannst du auf den Bremsbügeln ausrutschen, da sie weder eine gute Haftung noch eine ideale Form haben.

Die Arme sollten nicht ganz steif, sondern leicht entspannt sein. So sparst du Kraft, vermeidest Krämpfe und im Falle einer langen Abfahrt können deine Arme so Unebenheiten dämpfen.

Straßenfahrrad: wie fahre ich Berge am besten runter?

WIE BREMSE ICH AM BESTEN?

Wenn du Motorrad fährst, hat man dir bestimmt gesagt, dass man zu 70 % mit der vorderen Bremse und zu 30 % mit der hinteren Bremse bremst. Beim Fahrrad ist es das Gleiche.

Wenn du bremst, verlagert sich quasi das gesamte Gewicht (Fahrer und Rad) nach vorne. Das Vorderrad hat also am meisten Haftfestigkeit. Der Druck wird am Hinterrad abgebaut und ein zu starkes Bremsen kann dazu führen, dass es blockiert.  Die Hinterradbremse dient mehr als Verlangsamung denn als wirkliche Bremse.

Versuche bei einer Abfahrt  nur hinten zu bremsen, du wirst schnell merken, dass der Bremsweg einige Meter beträgt.

Diese 70 % vorne und 30 % hinten können natürlich angepasst werden, wenn Splitt auf der Straße liegt.

Vor einer Kurve oder einer Haarnadelbiegung musst du stark bremsen und den Druck dann stückweise nachlassen, je langsamer du wirst.

Bremse nur auf gerader Strecke! Hast du erst begonnen die Kurve zu nehmen, solltest du nicht mehr bremsen. Die hintere Bremse einfach nur kurz antippen, wodurch du die Kurve etwas enger nehmen kannst, wenn notwendig. Den besten Grip in der Kurve wirst du haben, wenn du nicht bremst.

DIE TECHNIK UM EINE KURVE GUT ZU NEHMEN

Normalerweise verliert man nicht auf langen Geraden Geschwindigkeit, sondern eher in Kurven oder Haarnadelkurven.

Eine Kurve wird immer von außen genommen. Während des Bremsens solltest du dich nach außen hin orientieren (und dabei stets deine Straßenseite bei einer offenen Straße achten).Handelt es sich um eine Linkskurve solltest du dich also soweit wie möglich rechts halten, dabei daran denken, dass dein linkes Pedal nach oben zeigt und runterschalten, um wieder gut antreten zu können.

Ist das Bremsen beendet, sollte man einen Kreisbogen fahren, indem man den kürzesten Weg wählt (außer hier liegt Kies auf der Straße) nach links (und bei offener Straße immer auf der richtigen Straßenseite bleiben). Das nennt man dann Schleife. Es ist der kürzeste Weg, mit dem du die Kurve am schnellsten nimmst.

Ideal ist es, sich auf das äußere Pedal zu stützen (das also unten ist), um eine bessere Haftung zu haben.

Straßenfahrrad: wie fahre ich Berge am besten runter?

GEHE KEIN RISIKO EIN!

Ich habe zu oft gesehen, wie Radfahrer bei Rennen oder Wettkämpfen zu große Risiken in Kurven mit wenig Sicht eingegangen sind. In der Regel sind die Straßen nicht gesperrt und zu jeder Zeit kann ein Auto kommen.

Denkt daran, ihr seid keine Profis, ihr müsst euch an die Straßenverkehrsordnung halten und euer Leben ist mehr wert als einige Plätze, die man in den Kurven am Abhang gut machen kann.

Du solltest immer in die Richtung schauen in die du fahren möchtest und auch darauf achten, wo du nicht hinfahren möchtest (Sicherheitsabsperrungen, Rinne, ...).

Das Wiederantreten wird mehr oder weniger schwierig, je nach deiner Position und dem Ziel des Rennens. Wenn du einfach nur zum Ende kommen möchtest, lass langsam nach um dich zu erholen. Dasselbe gilt, wenn eine Haarnadelkurve 200m vor dir liegt. Es bringt gar nichts, einen Angriff zu starten, wenn du etwas weiter wieder abbremsen musst.

VERTRAUEN

Jemand, der einen Berg runterfährt, muss viel Vertrauen besitzen. In sich selbst, und auch in sein Material.

Für das Selbstvertrauen ist es wichtig, den Berg in der Geschwindigkeit runterzufahren, die du als die bequemste für dich einstufst. Wenn du dich an einen Fahrer hängen möchtest der viel schneller fährt als du, aber du bist dir dessen nicht bewusst, dann wirst du Fehler machen.

Ich höre häufig, "Ja, aber was ist, wenn bei 80 km/h ein Reifen platzt?"

Nach mehr als 25 Jahren Praxis hatte ich erst zweimal einen Reifen der geplatzt ist (falsche Anbringung), und dies niemals in einer Abfahrt. Es gibt keinen Grund, warum dir das beim Abstieg häufiger passieren sollte, als beim Aufstieg.

Sogar mit einer Reifenbreite von 23mm hast du eine ausgezeichnete Haftung wenn du weißt was du tust und wenn du die Reifen richtig einsetzt und mit der richtigen Geschwindigkeit fährst.

Straßenfahrrad: wie fahre ich Berge am besten runter?

Bevor du dich also an einen Anstieg machst, musst du also überprüfen, dass dein Fahrrad funktionstüchtig ist und die Bremsen und Reifen in einem guten Zustand sind.

Nur wenn du dir über dich selbst sicher bist und dein Material kennst, kannst du anschließend in aller Ruhe die Ratschläge umsetzen und mit den besten Voraussetzungen ins Rennen gehen.

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