WARUM SOLLTE MAN EINEN SKIHELM TRAGEN? DIE ANTWORTEN DER PROFIS!

Sophie Claude ist Ärztin, Aurélien Laurent ist Bergretter, beide arbeiten im Skigebiet La Clusaz, in Haute-Savoie. Wintersportunfälle sind ihr Geschäft. Von leichten Kopfverletzungen bis hin zu schweren Schädeltraumata, sie wissen, wie wichtig es ist, einen Helm zu tragen, wenn man auf die Piste geht.  Beim Skifahren, Snowboarden oder Rodeln können Kollisionen überall und mit allem und jedem passieren! Sie sprechen über ihren Beruf und erklären uns, warum es so wichtig ist, auf der Skipiste einen Helm zu tragen.

AURÉLIEN LAURENT – BERGRETTER IN LA CLUSAZ

Hallo, magst du dich vorstellen?

Ich bin Aurélien, Skiliebhaber, und habe meine Leidenschaft im Winter zum Beruf gemacht. Ich fahre seit über 30 Jahren Ski, in allen möglichen Formen: Abfahrtski, Freeride, Waldski, Derby... Und ich bin seit acht Jahren Bergretter auf Skiern in La Clusaz.

 

Erzähle uns etwas über deinen Beruf. Was macht ein Bergretter?

In meinem Beruf bin ich täglich auf Skiern unterwegs. Als Bergretter kümmere ich mich um den Empfang und die Sicherheit auf den Pisten: Prävention, Markierung gefährlicher Passagen, präventive Auslösung von Lawinen, Sperrung von Pisten und natürlich auch um die Rettung von Verletzten auf den Pisten.

 

Wozu braucht man einen Helm, wenn man auf Skiern, Snowboards oder Schlitten auf der Piste unterwegs ist?

Der Helm dient selbstverständlich dazu, den Kopf vor Stößen zu schützen. Die heutigen Pisten sind sehr gut präpariert, was dazu einlädt schneller zu fahren. Dass die Leute schneller fahren bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass sie auch besser fahren können. Mit höherer Geschwindigkeit und mangelnder Kontrolle gibt es mehr Stürze und Kollisionen zwischen den Läufern, und auch die Folgen sind gravierender. Das Tragen eines Helmes schützt vor den schwerwiegendsten Folgen dieser Unfälle. Das Gleiche gilt außerhalb des Sicherheitsbereichs, wegen der Felsen, die man unter frisch gefallenem Schnee nicht sieht... Wir sehen viele Unfälle im Zusammenhang mit dem Trend des Freeride (Fahren abseits der gesicherten Pisten).

 

Außerdem vergisst man oft, dass ein Skihelm den Kopf viel besser warm hält als eine Mütze... Was den Stil betrifft, ist für jeden etwas dabei!

 

Du bist ein Bergretter: In deinem Job siehst du die Folgen, von Unfällen beim Skifahren mit und ohne Helm – Welche können das sein?

Die schwerwiegendste Folge ist ein Schädeltrauma mit Bewusstlosigkeit. Diese sehen wir ziemlich häufig. Kinder tragen zum Glück fast immer einen Helm. Darüber hinaus ist ein Helm während des Skiunterrichts Pflicht. Was die Eltern betrifft, so ist es jedoch noch ein langer Weg. Dabei ist jedem bewusst, dass es im Falle eines Sturzes oft zuerst den Kopf trifft.

Hast du eine bestimmte Geschichte, die uns dieses Thema verdeutlichen kann?

Ja, die eines guten Skifahrers, der aufgrund eines technischen Problems mit Schwung auf einer blauen Piste gestürzt war: seine Bindung war abgerissen. Er kam zuerst für seine Bindung zu uns. Dann kam seine Freundin einige Stunden später erneut auf uns zu, weil er sich verändert hatte. Tatsächlich hatte er ein schweres Schädeltrauma erlitten. Direkt nach dem Sturz dachte er, dass alles in Ordnung sei, doch sein Zustand verschlechterte sich mit der Zeit. Zum Glück hat seine Freundin uns alarmiert, denn es hätte schlimm ausgehen können. Er hat sich zwar letztendlich erholt, musste allerdings über eine Woche im Krankhaus verbringen.

 

Trägst du selbst einen Helm? Aus welchen Gründen?

Seit ich Ski fahre, seit grob 30 Jahren, trage ich einen Skihelm. Einerseits, weil ein Fehler in meiner Art Ski zu fahren schnell passieren kann: im Wald oder im Freeride sind ein Ast oder ein Felsen nie weit weg! Und im Rahmen meiner Arbeit muss ich manchmal sehr schnell fahren, um jemanden zu retten. Ich trage ihn aus Präventionsgründen, um ein Vorbild zu sein und für meine eigene Sicherheit.

 

Ein Schlusswort?

Ja, ich würde sagen, dass man die Umgebung, in der man sich bewegt, aufmerksam beobachten und die Regeln einhalten muss: Wetter, Schneelage, angemessene und gut vorbereitete Ausrüstung, Rücksicht auf andere auf oder abseits der Pisten Kurz gesagt, achtet darauf, sicher unterwegs zu sein, egal wo. Außerdem wetteifern die Marken heute in ihrer Kreativität, um schöne Helme herzustellen, die an alle Kopfformen angepasst sind, so dass es keine guten Gründe mehr gibt, keinen Helm zu tragen.

SOPHIE CLAUDE – ALLGEMEINMEDIZINERIN IN LA CLUSAZ

Hallo, magst du dich vorstellen?

Ich bin Sophie Claude, 38 Jahre alt, Allgemeinmedizinerin, seit mehr als zehn Jahren Mitglied der Bergrettungsärztlichen Vereinigung (www.mdem.org), und wohne im Skigebiet La Clusaz (Haute-Savoie).

 

Erzähle uns etwas über deinen Beruf. Was macht eine Bergrettungsärztin?

Als Bergrettungsärztin praktiziere ich sowohl klassische Medizin als auch Unfallmedizin (Radiologie, Richten und Einrenken von Gliedmaßen, Gipsverbände...) oder individuelle Sprechstunden (Erfrierungen, Unwohlsein, Schwindel...). In den Bergen zu praktizieren ist wie in einem „Mini-Krankenhaus“, es ist äußerst erfüllend. Unser Einsatz ermöglicht es oft, einen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, was für 94 % der Verletzten in der Saison 2014-2015* der Fall war.

 

Wozu braucht man einen Helm, wenn man auf Skiern, Snowboards oder Schlitten auf der Piste unterwegs ist?

Zum Schutz vor Kollisionen: Kollisionen mit dem Boden und vor allem Kollisionen zwischen Personen. Betrachtet man die Zahlen der Bergrettungsärztlichen Vereinigung, die ein System zur Überwachung von Unfällen in Skigebieten geschaffen hat, so machen Kollisionen zwischen Personen 11 % der Unfälle auf der Piste aus. Und fast 35 % der Kopfverletzungen, einschließlich Schädeltraumata, resultieren aus diesen Kollisionen zwischen Personen*. Obwohl erwiesen ist, dass das Tragen eines Helmes die Schwere der Kopfverletzung, insbesondere der Schädeltraumata, reduziert. Man sollte demnach keinesfalls zögern!

 

Du bist eine Bergrettungsärztin: In deinem Job siehst du die Folgen, von Unfällen beim Skifahren mit und ohne Helm – Welche können das sein?

Eine Kopfverletzung kann zu einem Schädeltrauma führen. Die Defizite oder Folgen, die sich aus einer Kopfverletzung ergeben können, sind je nach Art des Stoßes sehr unterschiedlich. Auch wenn sich 90 % der Opfer innerhalb von 6 Monaten nach einem leichten Schädeltrauma wieder erholen, kann dieses schwerer sein als ursprünglich angenommen und zu einem Koma und Folgen wie Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnisstörungen o.ä. führen. 3 % der nach einem Unfall auf der Piste beobachteten Verletzungen sind heutzutage Schädeltraumata*.

Hast du eine bestimmte Geschichte, die uns dieses Thema verdeutlichen kann?

Ich erinnere mich an diesen 82-jährigen Patienten, der allein und ohne Helm unterwegs war, weil er nie stürzte... Und nun war es doch passiert, er wurde von einem anderen Skifahrer erwischt. Er hat es zwar gut überstanden, musste allerding 48 Stunden unter Aufsicht im Krankenhaus verbringen und seine Frau, die selbst kein Auto fahren kann, allein zurücklassen…

 

Trägst du selbst einen Helm, wenn du Ski fährst? Aus welchen Gründen?

Ja, ich trage einen Helm. Zu meiner eigenen Sicherheit und vor allem, um meinen eigenen Kindern und allen Erwachsenen, die keinen tragen, ein Vorbild zu sein...

 

Ein Schlusswort?

Auch wenn wir jedes Jahr eine Zunahme des Tragens von Helmen feststellen, mit 98 % Helm tragenden Kindern und 89 % Helm tragenden Jugendlichen, so gibt es offensichtlich noch Verbesserungspotential sowohl bei Erwachsenen als auch bei Skiprofis (Bergretter, Skilehrer...), die meiner Meinung nach noch immer zu selten einen Helm tragen…

Für mich ist es keine Frage des Könnens auf den Skiern, man kann ein ausgezeichneter Skifahrer sein, nie stürzen und von einem anderen Skifahrer angefahren werden, der seine Geschwindigkeit und die Regeln auf den Pisten nicht beherrscht... Passt also auf euch auf, indem ihr einen Helm tragt.

DIESE TIPPS ZUM SKIFAHREN KÖNNTEN DICH AUCH INTERESSIEREN