handballer in ihrem Alltag zwischen Lockdown und Spielbetrieb

Wir konnten vier zum Teil professionelle Handballer zum Thema Training, Ernährung und Regeneration in ihrem Alltag zwischen Corona-Lockdown und Spielbetrieb befragen. Auch die persönlichen Meinungen kamen nicht zu kurz, sodass ein interessantes Stimmungsbild eingeholt werden konnte.
Hole dir hilfreiche Tipps, wie du dich bis zum Restart fit halten kannst und überbrücke die spielfreie Zeit mit spannenden Einblicken.

Handball

Tom Jansen
(2. Bundesliga)

Zur Person:
Seit 13 Jahren spielt Tom leidenschaftlich Handball. Er ist im Alter von 9 Jahren durch seine Geschwister zum Handball gekommen und war seitdem jede Woche in der Halle um zuzuschauen oder selber in der Pause aufs Tor zu werfen. Dadurch war der nächste Schritt ins Training nur noch Formsache.
Seine Vereine:
TSG Haßloch (Jugend), TSG Friesenheim (Jugend), TV Hochdorf (3. Bundesliga), HG Oftersheim/Schwetzingen (3. Bundesliga), TV Großwalldtadt (2. Bundesliga).
Sportliche Erfolge:
A-Jugend Bundesliga, Wechsel in die 2. Bundesliga, Nominierung A-Nationalmannschaft Niederlande, Teilnahme an der U21 Europameisterschaft mit Niederlande

Das Interview:

Wie hat sich der Handball durch Corona für dich verändert?
Es sind schon recht viele Einschränkungen. Aber das Gute ist, dass wir noch spielen dürfen!
Wir haben 2. Mal die Woche einen Corona Test und müssen bis in die Halle immer einen Mundschutz tragen um uns und andere schützen zu können. Im Training läuft dann alles wie gewohnt ab. Bei dem ersten Spiel war es natürlich erstmal sehr ungewohnt weil wir vor 700 Menschen gespielt haben, obwohl in die Halle normalerweise 2.500 Leute rein passen. Aktuell spielen wir ohne Zuschauer. Das ist natürlich sehr schade, weil der Handball auch von den Zuschauern lebt und deren Emotionen. So müssen wir Spieler noch mehr Emotionen auf die Platte bringen und immer top fit und wach sein!

Wie hat sich dein Alltag durch Corona verändert?
Meine Freundin und ich passen sehr auf! Wir halten uns an alle Regeln und versuchen so wenig wie möglich Kontakt nach außen zu haben. Natürlich ist auch unser Privatleben sehr eingeschränkt, weil auch wir nicht positiv getestet werden wollen. Schlussendlich müssen dann nicht nur wir in Quarantäne sondern auch alle Mannschaftskameraden und Offizielle!

Deine Übung Nr.1 für Amateure um sich optimal auf den Restart vorzubereiten?
Mein Tipp: Viel an der frischen Luft Sport machen. Sei es Joggen, Intervalle, Krafttraining (mit eigenem Körpergewicht oder Bierkasten etc.). Natürlich sind auch Stabi-Übungen sehr wichtig um sich bei dem Start nicht gleich zu verletzen.
Übung Nr. 1 für mich: Joggen mit Kraft kombiniert"

Handball für dich in drei Worten?
Leben, Leidenschaft und Job

Hast du Angst vor einem Handballlockdown im Profisport?
Ja natürlich, ich glaube das hat jeder Profisportler. Man trainiert jeden Tag viel, um sein Ziel zu erreichen und sich weiterzuentwickeln. Ein Lockdown würde einen handballerisch natürlich zurückwerfen. Zudem sind viele vom Gehalt auch finanziell abhängig und haben ihre Heimat verlassen um den nächsten Schritt zu machen. Aber wenn es sein müsste dann steht die Gesundheit aller Menschen im Vordergrund und nicht der Sport.

ANDREAS BORNEMANN
(2. Bundesliga)
Instagram: "borne29"

Zur Person:
Seit 19 Jahren spielt Andreas Handball. Im Alter von 7 Jahren ist er durch einen Freund zum Handball gekommen und dort wurde sein großes Talent zum ersten Mal entdeckt.
Seine Vereine:
TSG Münster (Jugend), Rhein Neckar Löwen (Jugend/ 3. Liga), Eintracht Baunatal (2. + 3. Bundesliga), TV Neuhausen (2. Bundesliga), Rhein Vikings (2. Bundesliga), Hagen (2. Bundesliga), TuS Ferndorf (2. Bundesliga).
Sportliche Erfolge:
Aufstieg in die 2. Bundesliga, seit 6 Jahren 2. Bundesliga.

Das Interview:

Wie hast du dich während des ersten Lockdowns fit gehalten?
Ich habe mich im ersten Lockdown bei meinen Eltern in der Garage fit halten können. Dort habe ich von unserem Athletiktrainer eine perfekte Ausstattung an Utensilien wie Gewichten, Seilen, Cadeball, usw. bekommen, um ein vollkommen perfektes Training absolvieren zu können. Dort konnte ich meinen vollen Fokus auf die Weiterentwicklung meiner athletischen Fähigkeiten legen. Den Schwerpunkt habe ich auf Schnelligkeit in Kombination mit Kraftmaximierung gelegt.

Hatte der Lockdown auch etwas positives für dich (z.B. mehr Regeneration, Zeit für dich)?
Ja, der Lockdown hat auch sehr positive Sachen bereit gehalten.
Ich bin mit dem 16. Lebensjahr von zu Hause ausgezogen und auf ein Sportinternat gezogen. Seit dem Zeitpunkt war ich maximal 3 Wochen am Stück zu Hause. Dank des Lockdowns konnte ich knapp 3 Monate zu Hause verbringen. Diese Zeit war mir sehr wichtig, um etwas Abstand zum Profialltag zu gewinnen und im Kopf frischer zu werden. Ebenfalls war die Regenerationszeit viel länger als im „normalen Handballalltag“. Das tat dem Körper und dem Geist sehr gut. Zudem konnte ich so gesund und mit maximaler Power meine Ziele besser erreichen.

Welche Schwerpunkt sollte jeder Handballer legen in seinem Corona-Training?
Jeder Handballer sollte viel laufen gehen und Intervalle in sein Training einbauen.
Weil der Hallenboden sehr aggressiv für die Knie- und Fußgelenke ist. Die Waage mit dem Krafttraining muss auf jeden Fall gehalten werden. Wer keine Gewichte oder Ähnliches hat, soll auf jeden Fall Training mit dem eigenen Körpergewicht machen. Oder man nimmt sich andere Hilfsmittel zur Hand (Wasserkasten, Baumstämme... etc.). Was man im Lockdown leider nicht trainieren oder simulieren kann, ist der fehlende Köper Kontakt im Training und im Spiel. Deshalb heißt es hartes Kraft-Training machen.

Wie ist das Gefühl, aufgrund eines positiven Tests im Team in Quarantäne zu sein? Wie hast du dich in dieser Zeit fit gehalten?
Leider ist dieses Gefühl sehr schlecht, weil man einfach gezwungen wird, das Grundstück nicht zu verlassen und einem ein Stück Alltag weggenommen wird. Zudem muss man zusehen, wie andere Mannschaften in der Liga spielen können und sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln können. Das Wichtigste ist aber, dass es allen Spielern und dem Umfeld gut geht! Ich habe mich zum Glück wieder in meinem eigenen „Kraftraum“ fit halten können!

Tipps vom Profi für Amateure?
Es gibt viele Übungen die man sich in YouTube anschauen kann oder ich habe auch sehr viele Storys auf meinem Instagram Account (wer folgen möchte: "borne29") hochgeladen, um andere Handballer zu inspirieren und zu motivieren. Man findet immer Beschäftigung sich sportlich zu betätigen, egal mit welchen Übungen oder mit welchen Möglichkeiten, die man zur Stelle hat.
Das Wichtigste ist den Fokus und das Ziel in dieser Zeit nicht aus den Augen zu verlieren und nicht daran zu zweifeln was man tut oder wie lange es noch so geht. Ganz wichtig, den FOKUS zu behalten!!!

Deine Übung Nr.1 für Amateure, um sich optimal auf den Restart vorzubereiten?
Ich kann leider keine spezielle Übung herausheben. Der innere Schweinehund ist der größte Gegner in dieser Zeit. Wenn man ihn überwunden hat, ist jede Übung gut!

Handball für dich in drei Worten?
Leidenschaft, Emotionen, Durchsetzungsvermögen

Tim Anschütz
(Badenliga)

Zur Person:
Seit 20 Jahren spielt Tim Handball. Er ist im Alter von 5 Jahren durch seinen Bruder zum Handball gekommen.
Seine Vereine:
HG Oftersheim/Schwetzingen, HSV Hockenheim.
Sportliche Erfolge:
Mehrfacher Badischer Meister (Jugend), A-Jugend Bundesliga, Aufstieg in die Badenliga

Das Interview:

Tipps wie man sich fit halten kann?
Auf die Ernährung achte ich prinzipiell die ganze Zeit und koche mehrmals die Woche frisch. Hier achte ich darauf, dass es immer so viel ist, dass es auch für den Folgetag reicht und ich mir in der Arbeit nichts kaufen muss (z.B. etwas Ungesundes beim Bäcker). Durch die aktuelle Situation ist das natürlich auch noch unumgänglicher als davor, da man nicht einfach essen gehen kann. Im Vergleich zu vorher achte ich lediglich verstärkt darauf nicht mehr so häufig oder viel zu essen, da ich durch die Einschränkungen auch weniger verbrenne und generell weniger Bedarf habe. Durch die ausgewogene Ernährung kann ich zudem weitestgehend auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten. Wenn es jedoch auch Mal schnell gehen muss sind hier Eiweiß- oder Protein Shakes eine gute Alternative, welche dann eine Mahlzeit ersetzen und die Eiweißdepots füllen.

Alternativsport, um sich fürs Handball fit zu halten?
Als Alternative mache ich nicht groß etwas anderes als vorher neben dem Handball. Wie vom Trainer vorgegeben gehe ich 1- 2 Mal die Woche 8 km joggen und anstatt in ein Fitnessstudio zu gehen wird im Garten oder Hof ein Krafttraining durchgeführt.
Hier achte ich darauf, dass es möglichst abwechslungsreich an Übungen ist und sich die Übungen auf den Handballsport beziehen. In der Regel trainiere ich hier auch mit Teamkollegen oder ehemaligen Teamkollegen, welche aktuell in der gleichen Situation stecken.
Da mir so das Krafttraining auch mehr Spaß macht. Die Übungen im Krafttraining mach ich als Zirkeltraining, besser gesagt als HIT. Sprich 45 sek. Belastung und 30 sek. Pause zwischen den Übungen. Um meine Flexibilität beizubehalten und zu verbessern habe ich jedoch auch mit Yoga angefangen, welches ich täglich am Morgen nach dem aufstehen mache. Durch das Yoga startet man generell gut in den Tag, auch wenn man etwas früher aufstehen muss. Zudem gewinne ich an Beweglichkeit, was im Handball auch super wichtig ist. Vor den Lockdowns habe ich tatsächlich nichts mit Yoga anfangen können.

Gefühl als der zweite Handball Lockdown kam?
Für mich war es gut, dass es einen zweiten Lockdown gab, da ich vorallem durch die intensive Vorbereitung und das viele Training verletzungsanfälliger war. Somit konnte und kann ich die Zeit nutzen meinen Körper zu regenerieren und Schwachstellen gezielt und in Ruhe zu trainieren. Jedoch könnte es jetzt natürlich sportlich wieder los gehen, da ich großen Spaß an den Spielen habe und gerne mit meinen Teamkollegen zusammen trainiere.

Gefühl beim ersten Spiel?
Ich war erleichtert, dass die Saison los gehen kann und ein Stück Normalität zurück ist. Bislang kann bzw. konnte die Saison auch ohne große Einschränkungen oder Spielverlegungen für uns erfolgen. Somit kann ich sagen, ich habe mich auf die Saison gefreut, vor allem da wir in eine neue Liga aufgestiegen sind.

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Sport Handball in der Zukunft?
Die Auswirkungen in der Zukunft kann ich nicht wirklich abschätzen, da bis auf die neuen Hygienevorschriften tatsächlich nicht viel anders war. Jedoch lässt sich sagen das Spiele mit Zuschauern, egal ob Heimspiel oder auswärts einen größeren Reiz haben und mehr Spaß machen. Positiv kann man an der Situation sehen, dass die meisten Vereine in Sachen Digitalisierung einen großen Schritt gemacht haben und somit für Zuschauer die nicht in die Halle können eine Alternative da ist. Zum Teil waren die Zuschauerzahlen hier auch höher als direkt in der Halle.

Hat der Lockdown auch etwas positives?
Wie schon zum Teil zuvor beschrieben ist für mich positiv zu sehen: Die Ergänzung mit Yoga und die Digitalisierung der Vereine. Auch sich nun im Speziellen nochmals genauer mit der Ernährung und zum Teil auch dem Verzicht auseinander zu setzen.

Deine Übung Nr.1 um sich optimal auf den Restart vorzubereiten?
Eine spezielle Übung um mich vorzubereiten habe ich nicht wirklich. Denn um wirklich optimal auf den Restart vorbereitet zu sein, ist es meiner Meinung nach wichtig ganzheitlich zu trainieren. Beintraining ist für den Handballsport natürlich essentiell und somit schau ich im Training vor allem darauf, dass Beinübungen vermehrt Bestandteil sind.

Wie gehst du mit der Ungewissheit um, wann und ob die Runde wieder startet?
Die Ungewissheit ob und wann ist für mich nicht so schlimm. Schlimmer war jedoch die Ungewissheit während der Saison, ob das Spiel statt finden kann oder verlegt werden muss oder auch dass es jederzeit wieder zu einem Spielverbot kommen kann. Denn durch diese Ungewissheit ist es vor allem wichtig am Anfang der Saison Punkte zu holen. Die Saison kann jederzeit auch offiziell beendet werden und dann wird auf den aktuellen Punktestand geschaut. Da sich die Situation fast wöchentlich ändert, versuche ich mich so fit zu halten, dass es für mich jederzeit wieder losgehen kann.

MAREN BÜKER
(Oberliga, akt. vereinslos)

Zur Person:
Seit 12 Jahren ist Maren beim Handball. Sie ist im Alter von 8 Jahren durch ihre Schwester zum Handball gekommen. 
Ihre Vereine:
TSV Birkenau (Jugend), HG Oftersheim Schwetzingen (Badenliga/BWOL). 
Sportliche Erfolge: 
A-Jugend Bundesliga, Aufstieg in die Baden-Württemberg Oberliga

Das Interview:

Tipps wie man sich fit halten kann?
Eine ausgewogene und gesunde Ernährung hilft auf jeden Fall sich fit zu halten und täglich auf seine Eiweiße zu kommen, dass man seine Muskeln nicht verliert.

Alternativsport, um sich fürs Handball fit zu halten?
Aktuell ist es wirklich sehr schwer sich fit zu halten, wenn man daran denkt, dass die Fitnessstudios zu haben. Ich versuche jeden Tag 10.000 Schritte zu erreichen oder treffe mich mit einer Freundin, um Joggen zu gehen. Manche Leute machen auch Home-Workouts, tatsächlich ist das gar nicht meins, da ich gerne an der frischen Luft bin oder mit einer Person zusammen etwas machen will.

Gefühl als der zweite Handball Lockdown kam?

Da ich zur Zeit aufgrund eines Wohnortwechsels keinen Verein habe und nach einem suche, war das eine sehr ernüchternde Nachricht. Ich möchte sehr gerne wieder in der Halle stehen, aber man weiß nie, ob vielleicht ein Spieler Corona hat, aber keine Anzeichen. Ich möchte auch selbst nicht die Person sein, welche Corona hat und andere damit ansteckt, vor allem meinen Freund nicht, da er topfit sein muss. Da sich der Handball-Lockdown noch weiter ziehen wird bei den Nicht-Profihandballern, wird für mich das erste Spiel erst 2021 vollzogen werden.

Welche Auswirkungen hat Corona auf den Sport Handball in der Zukunft?
Es wird nicht mehr wie früher, die Hallen werden nicht mehr so voll werden wie früher und auch das Nahe beieinander wird es so nicht mehr geben. Gerne hat man nach dem Spiel ein Foto mit seinem Idol gemacht, aber ich glaube, in dieser Art wird dies nicht mehr vorkommen.
Ich hoffe es wird sich hoffentlich zum Positiven wenden.

Hat der Lockdown auch etwas positives?
Wir hatten den ersten Lockdown ab März, da habe ich die Zeit zuhause wirklich sehr genossen. Ich habe meinen Eltern im Garten geholfen, wir haben unser Haus auf Vordermann gebracht und ich konnte die Zeit mit meiner Familie genießen. Aber irgendwann kam dann auch die Langeweile.

Deine Übung Nr.1 um sich optimal auf den Restart vorzubereiten?
Absolut Bergsprints, Seilspringen und Treppen springen. Danach bin ich fix und fertig, meine Beine schmerzen enorm, aber es fühlt sich nach Stunden total gut an.

Handball für dich in drei Worten?
Leidenschaft, Zusammenhalt, Ehrgeiz

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